20.-22.10. Durango – Corpus Christi

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Sie haben ölige Hände, ihr Haar ist schweissverklebt, ein Viertagebart macht sich in ihren Gesichtern bemerkbar, die Rennfahrerkombis sind fleckig und riechen nach Benzin und Rexona V8, eine American Spirit glimmt auf, ein paar präzise Blicke und ein verschworenes Lächeln. Draussen vor der Tür wartet ihre Rassestute. Sie benötigen wenige Worte, um sich zu verständigen, der Rest ist konzentriertes Handeln. Sie sind die Sieger! So siehts aus.

Und so sieht unsere Pokalsammlung aus:

img_0073 6 von 7 Tagessiegen und Gesamtsieg der Kategorie Historica C mit total 18 gemeldeten Teams, vor uns nur Studebakers und Porsches, das lässt sich sehen, oder?

Am Donnerstag nach der Siegerehrung waren wir alle so durch den Wind, dass keine tolle Stimmung aufkam. Am Freitagabend konnten wir mit 2 weiteren Teams eine fette Partie reinziehen, das war kuul.

Das grosse Abenteuer ist schon fast zu Ende. Andy ist gestern nach Hause geflogen und ich bin heute in 12 Stunden von Durango nach Corpus geritten, meist durch die Wüste und das Wildpferd hat viel getrunken und knorzt und ächzt allenthalben. Und ich bin müde.

Und hier noch eine Foto von unserem Serviceteam, das wir überaus geschätzt hatten:img_0070

Saludos, Marco

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20.10. Zacatecas – Durango

Der letzte Tag der Carrera ist der längste und mit insgesamt 700km Transfer und Wertungsprüfungen auch der stengste. So galopierten wir mit unserer in der kühlen Morgenluft zufrieden brummelnden Stute erst einmal 315km in Richtung erste Wertungsprüfungen… 


Die Stute bereit für den Ritt durch den bei 33 Grad feuchtheissen Streckenabschnitt namens „Rückgrat des Teufels“. Aufgrund schlechter Strassenbedingungen und teilweise starkem Regen wurden leider einige sehr schöne Wertungsprüfungen abgesagt. Unser Rössli wurde aber auch heute stark gefordert und von unserem tollen Mechaniker-Team immer wieder gepflegt und zwischen den Etappen durch gecheckt.


Nun galt es die letzten Prüfungen ohne grössere Patzer zu überstehen und den „längsten Tag“ ohne Patzer zu überstehen. Wir wollten ja nicht so aufhören, wie wir anfgefangen hatten… 


Nach Strassengraben, Tritt in den Hintern und „Toppes“ haben wir es geschafft! Die Pana 2016 heil überstanden und einmal mehr riesig viel Abenteuer und unvergessliche Erlebnisse im Rucksack. Ach ja und am Abend standen wir gleich zwei Mal auf dem Treppchen… Sieger der Tagesetappe und Gesamtsieger in der Kategorie Historica C. Insgesamt sind wir damit auf dem 9ten Platz aller Klassen und Kategorien gelandet. 


Muchos gracias

19.10. Guanajuato – Zacatecas

Wir sind am Boden geblieben, haben dem Rössli fein über alle Topes geholfen und ihm in den Rennen tüchtig die Sporen gegeben. Da eine lange Transferfahrt auf dem Programm stand, hat Andy das Steuer übernommen und ich co-pilotiert. Leider bin ich darin etwas aus der Übung, muss doch der Co nicht nur dafür sorgen, dass wir immer auf dem richtigen Weg bleiben, nein, er muss auch bemerken, wann wir tanken sollten und ob wir die angekündigten Etappenzeiten einhalten. Erst mal sind wir beinahe trocken gelaufen, weil über mehr als 100 km keine Tanke aufgetaucht ist, dann sind wir offenbar zu langsam gefahren und konnten die vorgeschriebene Zeit um ganze 9 Minuten nicht einhalten. Und dies, obwohl eine lebenslustige Polizeipatrouille uns mit Blaulicht und jaulendem Horn durch den dichten Verkehr gezogen hat. Das war ein Gaudi!  Naja, für die Verspätung werden uns einige Strafsekunden aufgedonnert werden. Ich schäme mich natürlich.

und hier noch ein paar Eindrücke von heute:

Morgens vor dem Start – img_0066

wenn’s nicht funktioniert, wird schon mal der ganze Motor ausgebaut und zerlegt –img_0065

das ist der Lohn am Ziel           – img_0069

PS wieder wandert ein Pokal in unsere Tasche. Es sieht gut aus für die Titelverteidigung, aber wir und das Rössli müssen den Tag morgen noch überstehen. ✊

18.10. Morelia – Guanajuato

In einer der schönsten Städte Mexicos durften wir etwas länger schlafen und endlich wieder einmal richtig Frühstücken. Das war eine willkommene Abwechslung zur sonstige Kaffee-Brühe aus dem Oxxo (mexikanischer 24h Shop) und dem Müesli Riegel. So sind wir dann gestärkt und motiviert nocheinmal in die „Urwaldstrecken“ von Mil Cumbres eingetaucht. 


Was es auf dieser wohl herausfordernsten aber auch schönsten Stecke der Panamericana an Kurven zu bewältigen gibt, lässt ein Auszug aus dem Roadbook nur erahnen.

Gut gelaunt, voll motivert und mit unserem Rennpferd in bester Verfassung sind wir heute wieder durch Wälder und Steppen geritten. 

So kam es denn, dass wir auch am Tag 5 wieder den Tagessieg herausgefahren haben… Da es heute aber kein „Drivers-Dinner“ gab, durften wir (noch) nicht wieder aufs Treppchen steigen. Dafür wurden wir in der ehemaligen Minenstadt von einer grossen Menschenschaar empfangen und wie richtige Helden gefeiert.


Derart beflügelt versuchen wir dennoch am Boden zu bleiben, denn die Panamericana ist erst überstanden, wenn Fahrer und Fahrzeug heil über die Ziellinie rollen. Drückt uns die Daumen….

17.10. Toluca – Morelia

img_0061Gestern Abend – nach dem Bankett und der täglichen Siegerehrung – waren unsere Mechanikern im nächtlichen Scheinwerferlicht am schrauben, um die Stute wieder fit zumkriegen. Am frühen morgen heute, noch trunken und schwankend ob dem wenigen Schlaf erblicken wir den roten Mustang vor dem Hotel. Freude kommt auf, die Operation war erfolgreich.

Tatsächlich können wir nach einigen Kilometern Fahrt feststellen, dass wir der Stute wieder vertrauen können. Sie enttäuscht uns nicht und lässt sich von uns zu einem sagenhaft wilden Ritt durch die Mil Cumbres (tausend Berge) verleiten. Diese Etappen in den dschungelartig überwachsenen und völlig unübersichtlichen Bergen sind mit Bestimmtheit das schärfste, was wir in Sachen Rennen erleben können. Der Flow war grossartig!

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Am Ziel in Morelia sitzen Fahrer und Begleiter in den Restaurants unter den Bögen und geniessen Coronas und Tapas – überall ist beste Laune spürbar! Der Erholungseffekt diese Abenteuers ist bei allen enorm!

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PS Der Höllenritt hat sich geloht, wir standen wieder zuoberst auf dem Treppchen heute Abend!

16.10. Mexico City – Toluca

Gutes gibt es auch heute zu berichten, denn wir sind wieder schnell gestartet. Schon etwas übermütigt dachten wir, dass wir auf der Erfolgswelle weiterreiten können. Das Reiten sieht dann in etwa so aus:

Nun sollte man aber nicht überall schnell sein… So haben wir dann auf dem Transfer zu den letzten beiden Wertungsprüfungen mit ca. 90 km/h eine sehr unerfreuliche nähere Bekanntschaft mit den in Mexico sehr verbreiten „Toppes“ (auch bekannt als Speed bumpers oder „Spass bremsen“). 


Das war zwar nicht genau der, denn unsere „Bremse“ verstecke sich unmarkiert auf einer schattigen Strasse. Die Stute hatte gar keine Freude an diesem Springreiten und schnäubte und wieherte erzürnt, bis wir sie dann für den Rest des Tages schonten. So konnten wir natürlich keinen Preis mehr einheimsen… 


Nun wird über Nacht gestriegelt und gepflegt, damit wir hoffentlich Morgen wieder alle zusammen auf die Piste können.

Buonas Noches

15.10. Puebla – Mexico DF (City)

Das beeindruckendste am heutigen Tag war ohne Zweifel die Einfahrt in der Hauptstadt. Das war ganz grosses Kino. Man stelle sich vor, der König reitet hoch zu Ross zu seinem Palast im Zentrum und die Bevölkerung säumt die Strasse schon einen Kilometer vor dem Zocalo, dem zentralen Platz. Auf dem Zocalo dann kann er sich nur mit Hilfe seiner Leibgarde den Weg durch die Menge bahnen. Alle wollen ihn fotografieren, sein Pferd streicheln, ihm die Hand geben. Da er ein volkstümlicher König ist, steigt er vom Pferd und spricht mit den Menschen über ihre Sorgen und Freuden, meistens aber über Pferde und deren Schönheit und Stärke. Um zu verstehen, was heute los war, muss man nur den König durch Andy und Marco ersetzen und alle anderen Rennteilnehmer ersetzen.

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Ausserdem hatten wir vorher 8 Wertungsprüfungen, insgesamt ca 120 Rennkilometer. Bei der anschliessenden Fahrt nach Mexico DF, zeigte die Stute plötzlich Macken. Sie bockte und liess uns mitten in der Pampa im Stich und wollte nicht mehr. Unsere Tektik, voll cool zu bleiben und uns nicht beeindrucken zu lassen, hatte dann nach einigen Minuten Erfolg. Sie hats dann kurz vor Mexico nochmals mit dieser Masche versucht, aber ohne Resultat.

Und ja, wir haben wieder einen Pokal mit der 1 drauf erhalten. Ich glaube, wir waren auf allen Speedstages die Schnellsten unserer Kategorie. Kein Wunder, hatten Andy und ich heute einen Flow! 👌

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Jetzt sitzen wir im Hotel und warten wohl bis Mitternacht, bis das Gepäck kommt.